2003 – 2004 Posturographische Evaluierung der Haltungsregulation bei Sehbehinderten und Blinden


2003 – 2004
Posturographische Evaluierung der Haltungsregulation bei Sehbehinderten und Blinden

  • S. Franz, A. Müller, Dr. R. Schwesig
  • Projektleiter: Prof. Dr. K. Hottenrott
  • Projektlaufzeit: 01.10.2003 – 30.06.2004
  • Schlagwörter: Sehbehinderung, Haltungsregulation, posturale Strategie

Kurzbeschreibung

Hintergrund und Fragestellung:

Ausgangspunkt für diese Untersuchung war die Validierung des Frequenzbereiches F 1 (0.03-0.1 Hz) der Fourier-Analyse als möglichen Indikator für das visuelle System. Normale, physiologische Körperschwankungen sind in diesem Frequenzband durch hohe Intensitäten gekennzeichnet. Es scheint, dass der aufrechte Stand v.a. von funktionstüchtigen okulomotorischen, vestibulären und otolithären Mechanismen reguliert wird und Sehbehinderte eine andere “Strategie” zur posturalen Regulation nutzen (Kohen-Raz, 2003). Des Weiteren galt es herauszufinden, ob Sehbehinderte verstärkt auf der somatosensorischen und / oder vestibulären Ebene ihr Gleichgewicht regulieren. Sekundäres Untersuchungsziel war der Vergleich von Sehbehinderten und Nichtsehbehinderten hinsichtlich der Haltungs- und Gleichgewichtsregulation, wobei auch die Art und der Grad der Sehbehinderung Berücksichtigung fand.

Methodik:
In einer Querschnittsuntersuchung wurden 88 Sehbehinderte posturographisch untersucht und mit einer Stichprobe Nichtsehbehinderter (n = 186) verglichen.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen:

Das visuelle System lässt sich mit dem Frequenzbereich F 1 (0.03-0.1 Hz) der Fourier-Analyse valide abbilden. Hinsichtlich des Vergleichs Sehbehinderter und Sehgesunder bleibt festzuhalten, dass Sehbehinderte ihr visuelles Informationsdefizit durch eine verbesserte peripher-vestibuläre und somatosensorische Wahrnehmung kompensieren können. Die Untersuchung bekräftigt die Auffassung, wonach eine adäquate posturale Kontrolle von der Integration visueller, vestibulärer und somatosensorischer Informationen abhängig ist. Demnach ist die Haltungsregulation ein multisensorischer Prozess, bei dem sich Informationsdefizite im Schwankungsverhalten des Körpers manifestieren. Bei Ausfall oder Reduktion eines Analysators treten sofort Kompensationsmechanismen auf, die posturographisch (frequenzanalytisch) nachweisbar sind.

Publikation:

  • Schwartz, S.; Segal, O.; Barkana, Y.; Schwesig, R.; Avni, I.; Morad, Y. (2004). The Effect of cataract surgery on postural control¿, Investigative Ophthalmology & Visual Science (Im Druck).

Kooperationspartner:

  • Berufsförderwerk Halle